Warum Moore so wichtig sind

Moore nehmen nur 3% der Landfläche der Welt ein, enthalten aber in ihren Torfen – mit 500 Gigatonnen – zweimal mehr Kohlenstoff als die gesamte Biomasse aller Wälder der Erde. Wenn ein Moor entwässert wird, tritt Sauerstoff in den Torf ein, CO2 und oft auch N2O werden emittiert. Die entwässerten Moore, lediglich 0,3% der Landfläche der Welt, verursachen überproportional hohe Emissionen: Mit jährlich 2 Gigatonnen CO2 sind sie für fast 5 % der weltweiten anthropogenen CO2-Emissionen verantwortlich. Die größten Emittenten sind Indonesien, die EU, Russland, China und die USA (Joosten 2009). In Deutschland machen entwässerte Moore nur 7 % der Landwirtschaftsfläche aus. Doch sie verursachen 99% der CO2-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden und 37% aller Emissionen aus der gesamten Landwirtschaft, einschließlich N2O aus Düngung sowie N2O und CH4 aus Tierhaltung (UBA  2016). In einem moorreichen Bundesland wie Mecklenburg-Vorpommern sind entwässerte Moore mit ca. 6,2 Millionen t CO2-Äq. pro Jahr die größte Einzelquelle für Treibhausgase (MLUV MV 2009).

  

Neben ihrer Klimawirksamkeit haben Moore eine große Bedeutung für die biologische Vielfalt: Moore bieten einzigartige Lebensräume für Arten, die sich an die feuchten und speziellen Bedingungen angepasst haben und sind oft die letzten naturnahen Refugien für seltene und bedrohte Arten. Nasse und wiedervernässte Moore erbringen zahlreiche weitere ökologische Leistungen für die Gesellschaft (Bonn et al. 2016), beispielsweise den Rückhalt von Schadstoffen und die Regulierung des Lokalklimas sowie des Wasserhaushalts.

 

Bei der herkömmlichen landwirtschaftlichen Nutzung von Mooren werden die Grundwasserstände abgesenkt. Dadurch kommt es zu Torfsackung und -schwund. Dies macht die Entwässerung immer schwieriger und vernichtet die Grundlage der nassen Moorbewirtschaftung, weil die Böden unwiederbringlich verbraucht werden und produktives Land großflächig verloren geht.

 

Die Wiedervernässung der Moore ist somit aus umwelt- und klimapolitischer Sicht dringend notwendig (TEEB DE 2014). Sie sollte vielfach mit Paludikultur, d.h. der nassen Bewirtschaftung von Mooren, verknüpft werden (SRU 2012, Joosten et al. 2012, Wichtmann et al. 2016). Diese schließt traditionelle Verfahren der Moorbewirtschaftung (z.B. Rohrmahd) ein, beinhaltet aber vor allem die Entwicklung und Umsetzung neuer Verfahren der stofflichen und energetischen Verwertung von Moor-Biomasse.

 

Referenzen:

Joosten, H. (2009): The Global Peatland CO2 Picture. Peatland status and emissions in all countries of the World. Wetlands International, Ede. 10 S. (PDF)

Joosten, H., Tapio-Biström, M.-L., Tol, S. (2012): Peatlands - guidance for climate change mitigation by conservation, rehabilitation and sustainable use. Mitigation of climate change in agriculture Series 5. FAO and Wetlands International, Rome. 114 S. (PDF)

MLUV MV (2009): Konzept zum Schutz und zur Nutzung der Moore. Fortschreibung des Konzeptes zur Bestandssicherung und zur Entwicklung der Moore. Schwerin. (PDF)

SRU (2012): Umweltgutachten 2012. Verantwortung in einer begrenzten Welt. Erich Schmidt Verlag. 420 S. (PDF)

Naturkapital Deutschland – TEEB DE (2014): Naturkapital und Klimapolitik – Synergien und Konflikte. Kurzbericht für Entscheidungsträger. Technische Universität Berlin, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Leipzig. (PDF)

UBA (2016): Berichterstattung unter der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und dem Kyoto-Protokoll 2016. Nationaler Inventarbericht zum Deutschen Treibhausgasinventar 1990 – 2014. 1040 S. (PDF)

Bonn, A., Allott, T., Evans, M., Joosten, H. & Stoneman, R. (2016): Peatland restoration and ecosystem services: science, practice, policy. Cambridge University Press. 493 S. 

Wichtmann W., Schröder C & Joosten H (2016): Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore. Kimaschutz – Biodiversität – regionale Wertschöpfung. Schweizerbart Science Publishers, Stuttgart. 272 S. (Link)