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Neuer Fleischatlas wirft Blick auf Moor

Neuer Fleischatlas wirft Blick auf Moor

Warum „Moormilch“ schlecht ist fürs Klima

07/01/2021 Der CO2-Fußabdruck von einem Liter „Moormilch“, egal ob bio oder nicht, ist fünfmal so hoch wie der von Milch von anderen Weiden – wie geht das? Den unsichtbaren Klimaschaden aus dem Zusammenhang von Tierhaltung, Nahrungsmittelproduktion und Boden erklärt Sabine Wichmann (GMC) im aktuellen Fleischatlas: Entwässerte und für Landwirtschaft genutzte Moorböden setzen den im nassen Zustand konservierten Kohlenstoff als CO2 in die Atmosphäre frei. Diese Emissionen verursachen einen hohen Klimaschaden und gehören in die Klimabilanz von Nahrungsmitteln. Für den Verbraucher ist dies bisher jedoch nicht erkennbar – eine Kennzeichnung würde hier helfen. In Deutschland machen diese Moorböden nur 7 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche aus, doch ihre Entwässerung ist für 37 Prozent der Treibhausgasemissionen von Landwirtschaft und landwirtschaftlicher Landnutzung verantwortlich. In der gesamten EU sieht es ähnlich aus.

 

Milch und Moor (Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0)

Deutsche Moorschutzstrategie

Deutsche Moorschutzstrategie

GMC veröffentlicht Stellungnahme

18/12/2020 Zur Moorschutzstrategie der Bundesregierung hat das Greifswald Moor Centrum eine Stellungnahme veröffentlicht. Bis zum 18. Dezember war die Öffentlichkeit aufgefordert, das im November veröffentlichtes Diskussionspapier zu kommentieren.
Dass eine Deutsche Moorschutzstrategie die bereits auf Landesebene bestehenden Strategien, ergänzt, bewertet das Greifswald Moor Centrum positiv, ebenso die Breite der abgedeckten Themen und Sektoren. Die Ziele des Papiers bleiben jedoch weit hinter dem zurück, was erforderliche wäre, um die Verpflichtungen Deutschlands zum internationalen Klimaschutz zu erreichen. Um den Anforderungen des Paris-Abkommens gerecht zu werden, ist ein Reduzieren der Treibhausgasemissionen von 5 Mio. t CO2-Äq. durch Moorwiedervernässung bis 2030 zu wenig. Das wären nur 11 % Einsparung gegenüber den momentan emittierten 47 Mio. t CO2-Äq., von denen 40 Mio. t CO2-Äq. der Landwirtschaft direkt anzurechnen sind. Insgesamt muss die Gesellschaft die Treibhausgasemissionen um mindestens 55 % reduzieren! Auch wie die Ziele erreicht werden sollen, bleibt zu unkonkret und wenig quantifizierbar. Aus wissenschaftlicher Sicht besteht hier noch Nachbesserungsbedarf.

Stark verwässert

Stark verwässert

Moorschutz in Entwurf der EU-GAP 2020 ungenügend

27/11/2020 Beim Thema Moore sind die Ende Oktober beschlossenen Änderungsvorschläge von Agrarministerrat und Parlament für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union ab 2023 ungenügend. Moore sind in den Bestimmungen zum Erhalt landwirtschaftliche Flächen in "gutem landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand" (GLÖZ) behandelt. Der Agrarministerrat hat den ursprünglich vorgesehenen „Angemessenen Schutz von Feuchtgebieten und Torfflächen“, also Mooren, abgeschwächt und hinausgezögert zu „Minimaler Schutz von Feuchtgebieten und Mooren spätestens ab 2025“. Das Parlament beschloss hingegen die Formulierung „Effektiver Schutz von Feuchtgebieten und angemessener Erhalt von Mooren“, die viel Interpretation zulässt. Wäre ein bloßer Erhalt von Moorflächen gemeint, würden sehr viele dieser Böden durch bestehende Entwässerung weiter degradieren und weiter beängstigend hohe Treibhausgasemissionen verursachen. Einen Lichtblick gibt es: Paludikultur soll beihilfefähig werden! Das würde die nasse Bewirtschaftung der Landwirtschaft auf entwässerten Böden gleichstellen und die flächenbezogenen Direktzahlungenermöglichen. Das Informationspapier Peatlands in the EU CAP des Greifswald Moor Centrum und vieler Partner erklärt, wie Moore und Moornutzung angemessen in der GAP berücksichtigt werden könnten. Konkrete Hinweise zum GLÖZ2 in Deutschland gibt das Informationspapier GLÖZ 2 „Angemessener Schutz von Feuchtgebieten und Torfflächen“. Eine Übersicht der Instrumente für eine klimaverträgliche Moornutzung in Deutschland haben Autoren von Greifswald Moor Centrum und Deutschem Verband für Landschaftspflege in “Berichte über Landwirtschaft” veröffentlicht.

Bioökonomie mit Klimaschutz-Bonus

Bioökonomie mit Klimaschutz-Bonus

Online-Infotag: Verwertung von Moor-Biomasse

03/11/2020 Am 10. und 11. Dezember bieten das Greifswald Moor Centrum und der Deutsche Verband für Landschaftspflege jeweils von 10-12 Uhr via Zoom die kostenfreien Video-Veranstaltung zu Bioökonomie mit Klimaschutz-Bonus - Verwertung von Moor-Biomasse. Die Session des ersten Tages dreht sich um die stoffliche Nutzung, die Session am zweiten Tag befasst sich mit energetischer Nutzung und Substraten. Die Infoveranstaltung gibt mit Vorträgen von Beispiel-Betrieben und Experten einen praxisnahen Überblick, wie sich die Biomasse von nassen Mooren nutzen lässt, welche Absatzmärkte es gibt, und wie diese für Schilf, Seggen, Rohrkolben oder Torfmoos angepasst und etabliert werden können. Aktuell ist die Biomasse aus nassen Mooren ein anspruchsvoller Rohstoff, für den die Absatzmärkte noch ausgebaut werden müssen. Ihr großer Vorteil: Sie kann auf verschiedene Weise zum Klimaschutz beitragen: durch die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen im Moor, den Ersatz fossiler Rohstoffe und durch langfristige Festlegung z.B. in Baustoffen. Ob als Verpackung, Formteil, Dämmstoff, Torf-Ersatz oder zur Erzeugung von Wärme oder Strom – in jedem Produkt steckt Klimaschutz.
Für eine Anmeldung schreiben Sie eine kurze E-Mail an sekretariat@lpv.de. Sie bekommen daraufhin rechtzeitig einen Einwahllink zur Veranstaltung zugeschickt. Die Veranstaltung wird im Rahmen des MoKli-Projektes organisiert. Das Projekt wird gefördert im Rahmen der Nationalen Klimaschutz­initiative (NKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

Vogel des Jahres - es kann nur einen geben!

Vogel des Jahres - es kann nur einen geben!

#TeamSeggi für den Seggenrohrsänger als Vogel des Jahres 2021 (Bild: S. Meier)

Voten für den Seggenrohrsänger

30/10/2020 Der Wahlkampf hat begonnen! Die Nominierungen für den Wettbewerb „Vogel des Jahres 2021“ laufen bis 15.12.2020. #TeamSeggi, darunter das Greifswald Moor Centrum, setzt sich für „Seggi first!“ ein: Macht den kleinen Vogel wieder groß und unterstützt unsere Nominierung des Seggenrohrsängers.
Der Seggenrohrsänger ist weltweit vom Aussterben bedroht. In Deutschland lässt er sich seit 2014 nicht mehr nachweisen. Der „Seggi“ lebt in Seggenbeständen nasser Niedermoore. Mit der großflächigen Entwässerung von Moorböden ist er fast aus Deutschland verschwunden. Der Seggenrohrsänger ist also auch ein Indikator für intakte Moore und damit ein kleiner geflügelter Klima-Botschafter.
Und es gibt Hoffnung: Im vergangenen Jahr konnten Seggenrohrsänger von Weißrussland nach Litauen gebracht und dort in restaurierten Niedermooren wieder angesiedelt werden. Die Nominierung zum Vogel des Jahres 2021 würde nicht nur dem Seggenrohrsänger Aufwind geben, sondern auch Mooren und ihrer Bedeutung für den Klimaschutz Aufmerksamkeit verleihen. Den aktuellen Wissensstand zu Ökologie, Habitatmanagement und Schutz des Seggenrohrsängers fasst das Aquatic Warbler Conservation Handbook zusammen. Information biete auch die Website des Aquatic Warbler Conservation Team (AWTC), dem auch GMC-Wissenschaftlerinnen angehören.

Kämpferinnen und Königinnen

Kämpferinnen und Königinnen

Neue Literaturabende in der Moorbibliothek

16/10/2020 Ekaterina Galkina, Mady Murie, Betje Polak – die Namen sagen Ihnen nichts? Ändern können Sie das bei den neuen Literaturabenden in der Moorbibliothek am Greifswald Moor Centrum.
Galkina rettete mit ihrem Moorwissen während des 2. Weltkrieges Menschen im belagerten Leningrad. Murie verdoppelte die Schutzgebiete der Arktis. Polak legte unter schwersten Bedingungen die Grundlagen der Moorforschung in den Tropen.
Moorkundler und Bibliophil Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joosten stellt diese und weitere Heldinnen der Moore ab 21. Oktober bei den Literaturabenden 2020/21 in Programmbibliothek zu Moor und Naturschutz (Peatland and Nature Conservation International Library, PeNCIL) vor. Bis März ist an einem Mittwoch im Monat Moorabend im Goldzimmer der Ellernholzstr. 1/3 von 19-21 Uhr. Während der Veranstaltungen ist das Tragen eines Mundschutzes als Maßnahme gegen Covid-19 Pflicht. Die Teilnahme ist kostenlos und jeweils auf zehn Teilnehmende begrenzt. Anmeldungen mit Nennung des präferierten Termins per Mail an bibliothek@ greifswaldmoor.de, eine Bestätigung erfolgt. Es gilt “first come, first served”! Während der Veranstaltung werden Ton- und Bildaufnahmen gemacht.

Prof. Hans Joosten beim Literaturabend in der Moorbibliothek (Foto: lensescape.org)

Solar und Windkraft im Moor?

Solar und Windkraft im Moor?

Nur unter nassen Bedingungen

30/09/2020 Erneuerbare Energien wie Wind- und Solarkraft sind unbestritten ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz. Werden die Anlagen jedoch auf Moorböden gebaut, müssen diese zugleich vernässt werden (können). Das neue Positionspapier des Greifswald Moor Centrum zu Photovoltaik- und Windkraftanlagen auf Moorböden stellt dar, dass z.B. in Mecklenburg-Vorpommern durch die Vernässung der Moorflächen doppelt so viel Emissionen reduziert werden könnten wie derzeit durch hiesige Windkraftanlagen und sogar siebenmal so viel wie durch die derzeitigen Solaranlagen des Bundeslandes. Eine Kombination mit einer Biomassenutzung aus Paludikulturen auf wiedervernässten Mooren würde zudem nachwachsende Rohstoffe als Alternative zu fossilen Roh- und Brennstoffen produzieren.

Ein weiteres neues GMC-Positionspapier, das in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege erarbeitet wurde, weist darauf hin, dass zum Schutz kohlenstoffreicher Böden die Aufnahme des GLÖZ2-Standards („Angemessenen Schutz von Feuchtgebieten und Torfflächen“) in die neue Gesetzgebung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union entscheidend ist. Zudem benennt es Vorschläge für die Ausgestaltung sowie flankierende Maßnahmen. GLÖZ sind Standards für den guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand im Rahmen der GAP.

Zukunftsrat für MV

Zukunftsrat für MV

Franziska Tanneberger bei Feldbegehung (Foto: GMC)

Moorkundlerin hat Ko-Vorsitz

24/09/2020 Am 21. September hat die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns einen Zukunftsrat für das Bundesland einberufen. Den wissenschaftlichen Ko-Vorsitz hat Dr. Franziska Tanneberger, Leiterin des Greifswald Moor Centrums, übernommen. Das Greifswald Moor Centrum gratuliert herzlich! Die Berufung zeigt, dass das Bemühen um den Erhalt der Moore Mecklenburg-Vorpommerns sowie innovative Idee zum wirtschaftlichen Potential der nachhaltigen Moornutzung auf politischer Ebene wahrgenommen und geschätzt werden. Der 49 Mitglieder starke Rat soll dazu beitragen, das kommende Jahrzehnt für Mecklenburg-Vorpommern ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsstark zu gestalten. Zusätzlich zu den neun Sitzungen des Rates bis Frühjahr 2021 wird es gegen Ende dieses Jahres auch ein Online-Beteiligungsverfahren zu Zukunftsfragen des Landes geben. Weitere Details in der Pressemitteilung der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns.

Win-win-win durch Torfmoose

Win-win-win durch Torfmoose

Nur unter nassen Bedingungen

30/09/2020 Win-win-win durch Torfmoose – das wurde am 4. September von10-15 Uhr beim 2. Infotag auf der Versuchsfläche im Hankhauser Moor nördlich von Oldenburg gezeigt: Torfmoose können neue Einkommen im ländlichen Raum bringen und sind doppelt gut für den Klimaschutz. Ihr Anbau verwandelt herkömmliches Hochmoorgrünland in ein klimafreundliches Produktionssystem, das den Moorschwund aufhält. Außerdem können Torfmoose die endliche Ressource Torf im Gartenbau ersetzen und auch so helfen, Treibhausgase einzusparen. Die Hankhauser Torfmoosfläche liefert auch ein Beispiel dafür, dass Niedersachsen ein Vorreiter in nachhaltiger Moorbewirtschaftung (Paludikultur) und Klimaschutz ist.
    

Gasmessungen und Informationen zu Züchtung und Massenvermehrung von Torfmoosen (Fotos: S.Hirschelmann)

Torfmoose betreffen uns alle: Jeder von uns „isst“ täglich Torf – indirekt durch den Verzehr von Gemüse, angebaut auf Torf. Torf ist jedoch eine endliche Ressource. Zudem führt Entwässerung für die landwirtschaftliche Nutzung von Mooren zur Freisetzung enormer Mengen Treibhausgase. In Deutschland sind die entwässerten Moorböden für mehr als 5 % der gesamten THG-Emissionen verantwortlich. Deshalb arbeiten die Universität Greifswald und das Torfwerk Moorkultur Ramsloh mit weiteren Partnern seit 2004 in verschiedenen Projekten zusammen und zeigen auf mittlerweile 17 ha im Hankhauser Moor, wie sich Moore nachhaltig bewirtschaften lassen und dabei vielfach gut sind für Mensch, Klima und Umwelt. Beim Info-Tag wurde auf einem Rundgang an verschiedenen Ständen zu folgenden Themen informiert: Klimawirkung der Moornutzung, Paludikultur, Wasserfiltrierung, Biodiversität, Selektion hochproduktiver Torfmoose sowie zu modernen Blumenerden und Torfersatzstoffen. Die Erntetechnik wurde vorgeführt und die Universität Rostock demonstrierte, wie die Gaswechselmessungen vorgenommen werden. Insgesamt waren ca. 50 Teilnehmende vor Ort
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DemokraTisch zu Moor- und Klimaschutz

DemokraTisch zu Moor- und Klimaschutz

Was Moore für HGW tun, was HGW für Moore tut

07/09/2020 Moor- und Klimaschutz in Greifswald für die Stadt und ihre Bürger - was lässt sich damit erreichen und wie können viele daran mitwirken? Zum Gespräch darüber laden das Greifswald Moor Centrum und die Succow Stiftung am 17. September zum öffentlichen DemokraTisch auf dem Fischmarkt. Wir informieren Sie, wie die Wiedervernässung trockengelegter Moore im Stadtgebiet Treibhausgasemissionen einsparen und den lokalen Klimaschutz voranbringen kann und was in Greifswald und auf den Flächen der Succow Stiftung dazu schon passiert. Erfahren Sie, wie jede*r einzelne mitwirken kann, Moore und Klima zu schützen, indem andere informiert oder tatkräftig Hand anlegt wird. Wir freuen uns auf Sie!
Der DemokraTisch ist ein öffentliches Format, das die demokratische Beteiligung zu Themen vor Ort in Greifswald stärken möchte. Ab dem 15. September, dem Welttag der Demokratie, fördern rund 30 DemokraTische den Austausch zwischen Bürgern, Experten sowie kommunaler Politik und Verwaltung.